David Nathan liest – „Basar der bösen Träume“

Mit dem Hörbuch „Basar der bösen Träume“ adaptiert Random House Audio die gleichnamige Kurzgeschichtensammlung von Stephen King. 20 Geschichten, die zwischen 2009 und 2016 entstanden, wurden gesammelt herausgebracht. Im Gegensatz zu der englischsprachigen Hörbuchausgabe hören wir in der Übersetzung nur eine Stimme, die von David Nathan.

Sammlungen von weniger langen Werken sind in meinen Augen ein perfektes Mittel, um in das Medium der Hörbücher einzusteigen. Während man sich bei manchen Romanen mehr als 24 Stunden konzentrieren muss, sind auch Kings ausführlichere Geschichten selten länger als eine Stunde, zusammen sind nach Verlagsangaben 14.000 Minuten entstanden. Ur, Blockade Billy und Raststätte Mile 81 sind da noch die zeitintensivsten Ausgaben. Tommy und Jener Bus ist eine andere Welt sind dagegen kurzweilig und in gefühlten wenigen Minuten gehört. Das hilft vor allem mir als Konzentrationsbanause. Normalerweise entgeht mir die Faszination an Hörbüchern, da ich sie nicht mal nebenbei hören kann. Und wenn ich mir die Zeit nehme, ist es hinderlich, nicht einfach eine oder zwei Zeilen zurückspringen zu können, um unklare Stellen einfach spontan nochmal hören zu können. Daher fand ich bisher und finde auch jetzt noch das geschriebene Wort deutlich entspannter.

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Was sich für mich aber langsam einstellt, ist die Möglichkeit, das Hörbuch quasi als Zweitdurchgang nochmal zu erleben. Es ist nicht mehr zwingend notwendig, jedes Wort zu verstehen, da die Handlung bekannt ist. Stattdessen kann ich das mir Vorgelesene in Ruhe genießen und entdecke hier und da vielleicht noch das eine oder andere Element durch die akustische Überlieferung.

David Nathans Vortragsweise ist dabei in meinen Augen goldrichtig. Genauso wie Kings Art, Handlungen zu beschreiben, wirkt seine Stimme ruhig. Ohne je ins Langweilige abzudriften. Er wirkt wie ein neutraler Beschreiber, ohne Hektik und vor allem ohne Wertung des Gesagten. Das heißt, so gut wie immer ohne Wertung des Gesagten. Nathan und ich sind uns bisher erfreulich einig, wenn es darum geht, Kings Aussagen als ironisch oder witzig zu werten. Wenn Alden McCausland beispielsweise in Feuerwerksrausch seine Geschichte als Ich-Erzähler vorträgt, bekomme ich mit, wie auch Nathan ihn zu einem einfältigen Charakter werden lässt. Ruhe und ohne Hektik sollte man auch nicht mit eintönig verwechseln. David Nathan ist kein Hörbuchsprecher, der nur eine Tonlage hinbekommt. Jede Figur, egal ob alt, jung, männlich oder weiblich, ob aufbauschend, chaotisch oder mit den Nerven am Ende, bekommt eine geeignete Stimmlage. Vor allem in Szenen mit mehreren Beteiligten, beispielsweise nach Jeroma Whitfields Tod in Nachrufe, zeigt sich die Stärke des gelernten Sprechers deutlich. Während sich die Dynamik der Handlung – der rasche Wechsel von Trauer und Betroffenheit hin zum Aufbruch in etwas völlig anderes – gut überträgt, verliere ich nicht die Übersicht, wer daran wirklich in welcher Form beteiligt ist. Mein Kompliment!

Insgesamt hat sich mit der Adaption in Hörbuchfassung meine Meinung zu den Einzelgeschichten nicht geändert. Ur halte ich immer noch für schlecht, Herman Wouk lebt noch immer noch für grandios. Wobei ich mich aber zunehmend ertappe ist, dass ich anstatt im Buch nochmal nachzublättern, mir stattdessen das Hörbuch an einer Stelle starte, um David Nathan die Arbeit des lesens zu überlassen. Er als Profi macht das sowieso viel besser als ich.